Ostalgie

Die Deutsche Einheit war und ist alternativlos. Darüber sind sich fast alle einig, bis auf ein paar Besserwessis, die die Mauer gerne wieder hätten, weil sie glauben, dann mehr zu haben und natürlich ein paar ostdeutsche Wendeverlierer, die vor der Wende am Drücker waren und hinterher als Regimetreue kein Bein mehr auf den Boden bekamen.

nackter mann in siebzigerjahre-hotel-zimmer
Hammer ohne Sichel

Ich trauere nur den vertanen Chancen hinterher. Dabei meine ich gar nicht explizit die wirtschaftlichen und den teilweisen Murks der Treuhand. Ich glaube, dass durch Helmut Kohl und seine Politik der gekauften DDR kein gesellschaftlicher Diskurs stattfand. Ob es sich nicht vielleicht gelohnt hätte, mehr Debatten zu führen, wie man das beste aus beiden Welten zu einer echten Einheit formen kann. Das fand in meinen Augen kaum statt und das Ergebnis ist bekannt, das Ostdeutsche Ampelmännchen als einzig sichtbare Erinnerung daran, dass es ein zweites Deutschland gab. Für uns Westdeutsche hat sich praktisch nichts geändert. Kein Wunder also, dass die Ostalgie hoch im Kurs steht und das schon seit Jahren. Ich empfehle allen Wessis, die immer sagen, dass die Ossis sich nicht so anstellen sollen, die Lektüre von Jana Hensels Roman Zonenkinder. Vielleicht dämmert es manchen dann, dass Levi’s Jeans und Bananen im Supermarkt nicht unbedingt eine ganze Identität ersetzen können. Neben dem ganzen neoliberalen Scheißdreck, den uns Birne hinterlassen hat, ärgert mich der Umgang mit der DDR am meisten, ich habe keine Ahnung, wie man diesen Typen dermaßen verklären kann. Sollte je eine Straße, in der ich wohne, in Helmut-Kohl-Straße umbenannt werden, muss ich ausziehen, ernsthaft. Und wenn es der Friedhof ist!

Easternalgia

German unity was and is without alternative. Almost everyone agrees on this, except for a few Besserwessis (a term for people from the west who knows everything much better), who would like to have the Wall back because they think they’ll have more and of course a few East German turnaround losers, who were at the push of a button before the fall of the Berlin Wall, and who were unable to get their feet on the ground afterwards because they were loyal to the regime.

I’m just mourning the missed chances. I’m not explicitly referring to the economic and the partial botch-ups of the Treuhand. I believe that through Helmut Kohl and his policy of the purchased GDR no social discourse took place. Whether it might not have been worthwhile to hold more debates on how to form the best of both worlds into a genuine unity. This hardly happened in my eyes and the result is known, the East German traffic light man as the only visible reminder that there was a second Germany. For us West Germans practically nothing has changed. So it’s no wonder that the Ostalgia is very popular and has been for years. I recommend reading Jana Hensel’s novel Zonenkinder to all Wessis who always say that the Ossis shouldn’t complain. Maybe it dawns on some people that Levi’s jeans and bananas in the supermarket can’t necessarily replace a whole identity. Apart from all the neoliberal shit that Chancellor Kohl left us, I’m most annoyed by his dealings with the GDR, I have no idea how to transfigure this guy to such an extent. If a street in which I live should ever be renamed Helmut-Kohl-Straße, I have to move out, seriously. Even if it is the cemetery!


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