Roman und Botschaft

Ursprünglich hieß das Posting mal Wollust, womit bewiesen wäre, dass auch ich hin und wieder ziemlich einfallslos bin. Wie gut, dass man das hier korrigieren kann, das geht im gedruckten Buch schlecht. Was im Buch eigentlich auch gar nicht geht, ist Missionieren. Menschen aufzeigen zu wollen, was richtig und falsch, moralisch und unmoralisch ist. Das kann man machen – wird dann eben Scheiße.

Wenn man eine Botschaft hat, ist es das beste, wenn keiner es merkt. Wir wissen ja alle, was passiert, wenn uns jemand zu etwas überreden will oder uns zu überzeugen versucht. Wir schalten auf Durchzug. Das war im Geschichtsunterricht so, in der Kirche, bei den Politikern genauso wie bei den Zeugen Jehovas. Mitunter richtig peinlich wird’s, wenn das in einem Roman passiert. Wenn der Autor die Moralkeule herausholt, so direkt, dass es selbst ein Erstklässler begreift, er aber selbst glaubt, weil er es in einen Roman gepackt hat, merkte man es nicht. Das betrifft natürlich in erster Linie alle möglichen Formen sexueller Untreue. Das führt mich zu dem Schluss, dass die meisten Autoren nicht unbedingt Alphamännchen oder -weibchen sind, sondern eher zur introvertierten Sorte der Menschen zählen. So sitzen sie (meist nach großer Enttäuschung) im stillen Kämmerlein und schreiben sich den Frust von der Seele. Die anderen sind viel zu beschäftigt damit, ihre Bekanntschaften zu pflegen und den nächsten Fick klarzumachen, als blöde Bücher zu schreiben.

Klar gibt es Ausnahmen, von Elke Heidenreich bis Charles Bukowski, aber sie sind in der Minderheit. Das Erstaunliche daran ist, mit welcher Penetranz und Ausführlichkeit die Gründe, sexuell treu zu sein, geschildert werden. Der Grund, warum jemand wild herumvögelt, scheint hingegen klar zu sein. Männer sind eben so. Ha, ha, ha. Immerhin, wenn eine Frau untreu ist oder wird, ist es sogar ihnen eine Erwähnung wert, dann werden dafür Erklärungen und Entschuldigungen gesucht und – was für eine Überraschung – natürlich auch prompt gefunden! Blöde Kindheit, blöder Ehemann, blöde Gelegenheit. Männer hingegen – die sind eben so.

Das also ist es, was uns die Emanzipation gebracht hat! Sie hat uns von Evas Erbsünde befreit. Waren die Frauen früher immer die Sünde schlechthin, die Versuchung, jene, die Schuld waren, wenn Männer sich ins Unglück stürzten, sind sie heute das personifizierte Gute und die Unschuld überhaupt. Männer sind Schweine und Frauen sind der einzige Grund, warum das Abendland noch nicht untergegangen ist. Immerhin ist es mal was anderes. Aber ob das jetzt nun so viel besser ist als vorher, sei einmal dahingestellt.

Novel and Message

Originally, the posting was called Lust, which would prove that I too am rather unimaginative from time to time. How good that you can correct this, it’s not going well in the printed book. What actually doesn’t work in the book at all is missionary work. To show people what is right and wrong, moral and immoral. You can do that – but it will be shit.

If you have a message, it’s best if no one notices. We all know what happens when someone tries to persuade us or tries to convince us of something. We go deaf. It happened in history class, in church, with politicians and Jehovah’s Witnesses. Sometimes it’s really embarrassing when it happens in a novel. When the author takes the moral club out, so directly that even a first-grader can understand it. But he himself believes, because he wrote it in a novel, you don’t notice it. This, of course, primarily concerns all possible forms of sexual infidelity. This leads me to the conclusion that most authors are not necessarily alpha males or females, but rather belong to the introverted variety of people. So they sit (usually after a bitter disappointment) in a quiet little room and write their frustration away. Most of the other people are much too busy maintaining their acquaintances and planning the next score, than writing stupid books.

Of course there are exceptions, from Elke Heidenreich to Charles Bukowski, but they are the minority. The amazing thing about it is the penetrance and elaborateness with which the reasons for being sexually faithful are described. The reason why someone is fucking around wildly, on the other hand, seems clear. Men are like that. Ha-ha-ha. After all, if a woman is or becomes unfaithful, it is even worth mentioning to them, then explanations and excuses are sought and – what a surprise – of course promptly found! Stupid childhood, stupid husband, stupid opportunity. Men on the other hand – they are just like that.

So this is what emancipation has brought us! It has freed us from Eva’s original sin. Whereas women used to be the sin par excellence, the temptation, those who were to blame when men threw themselves into misfortune, today they are the personified good and innocence in general. Men are pigs and women are the only reason why the Occident has not yet perished. At least it’s different for a change. But whether it is now so much better than before, it remains to be seen.


2 Gedanken zu “Roman und Botschaft

    1. Hallo! Unser treuer Fan aus der Schweiz, ich freue, nein, wir freuen uns, was von dir zu lesen. Mein fortgeschrittenes Alter veranlasste mich zu dem Text. Es fällt mir nämlich immer schwerer, noch Bücher zu finden. Ich will unterhalten werden, nicht bekehrt und nicht belehrt. Danke fürs Gernhaben 😉

      Gefällt 1 Person

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