Taufrisch

In den letzten Wochen und Tagen habe ich viele Blogbeiträge zum Thema Schreiben gelesen. Warum auch immer. Statt übers Schreiben zu lesen sollte man die Zeit vielleicht besser nutzen, um zu schreiben. Was sich die Leute für einen Kopp machen, wenn es um das Hobby Schreiben geht! Ich weiß nicht, ob das anders ist, wenn es über den Beruf des Schreibens geht. Vermutlich nicht. Natürlich soll jeder nach seiner Fasson glücklich (und erfolgreich) werden.

Nackte Frau hinter einer nassen Glasscheibe
Wo ist denn hier der Scheibenwischer?

Aber so wie ich mich frage, wie sich jemand Schamlippen operieren lässt, frage ich mich, wie man ein Buch regelrecht planen kann. Ich meine, Plan hin oder her, wenn mir inhaltlich nur Mist einfällt, wird das ganze Buch Mist, da hilft dann auch kein Plan mehr. Ich brauche keinen Plan, ich brauche keinen Zeitstrahl, ich brauche Charaktere erst dann, wenn sie auftauchen. Meine Probleme liegen vielmehr darin, dass ich nicht weiß, wo ich hinwill. Die meisten Ideen, die ich habe, reichen gerade mal für eine Kurzgeschichte. Anderthalb reichten bisher länger, für jeweils einen Roman, aber bei beiden hatte ich in der Mitte einen (jahrelangen) Hänger. Wäre mir das mit Plan nicht passiert?

Das Schreiben ist das, was mir am wenigsten Probleme macht. Wenn ich weiß, was ich schreiben will, läuft es mir flüssig aus der Feder. Was mich abhält, sind die vielen Ablenkungen. Ablenkungen, die mir in dem Moment viel verlockender scheinen, als an meinen Sätzen und Ausdrücken, meinen Dialogen und Charakteren zu feilen. Ich habe viel zu viel Kurzweil, um langfristig erfolgreich schreiben zu können. Ich werde einmal in meinem Leben einen Bestseller raushauen und das wars dann. Danach werde ich mich nie wieder überwinden können, etwas zu schreiben, was mehr als zwanzig Seiten hat.

Fazit: Ratgeberbücher zum Thema Schreiben sind super. Vor allem für die, die sie schreiben. Wenn man vor lauter Wahnsinnsideen übersprudelt und schafft es dennoch nicht, daraus ein spannendes, lesenswertes Buch zu schreiben, sind sie vielleicht Gold wert. Wenn einem aber nur blöder Mist einfällt, weil mn nur Grütze im Kopf hat, nützt einem auch der allerbeste Ratgeber rein gar nichts.

Dew-fresh

In the last weeks and days I have read many blog posts about writing. For whatever reason. Instead of reading about writing, maybe you should better use the time to write. What a lot of people do when it comes to the hobby of writing! I don’t know if it is different when it comes to the profession of writing. Probably not. Of course, everyone should be happy (and successful) according to their own style.

But just as I wonder how someone can have labia surgery, I wonder how one can really plan a book. I mean, plan or no plan, if I can only think of crap as regards content, the whole book will be crap, then no plan will help. I don’t need a plan, I don’t need a timeline, I only need characters when they appear. My problems are rather that I don’t know where I want to go. Most of the ideas I have are just enough for a short story. One and a half was longer, for one novel each, but for both I had a (years-long) hang in the middle. Wouldn’t that have happened to me with Plan?

Writing is the thing that causes me the least problems. When I know what I want to write, it flows smoothly from my pen. What keeps me from writing is all the distractions. Distractions that seem much more tempting at the moment than working on my sentences and expressions, my dialogues and characters. I have far too much in the way of pastime to be able to write successfully in the long run. I’m going to write a bestseller once in my life and that’s it. After that, I will never be able to get over writing something that has more than twenty pages.

Conclusion: guidebooks on writing are great. Especially for those who write them. If you’re brimming over with super ideas and still can’t manage to write an exciting book worth reading, they might be worth their weight in gold. But if all you can think of is silly crap, because you are a blockhead, even the best guidebook is of no use.


7 Gedanken zu “Taufrisch

  1. „Ja mach nur einen Plan …“ hat uns Bert Brecht damals schon prophezeit.
    Ich hoffe doch sehr, dass du nur unter einer temporären Schreib- und Inspirationsblockade leidest – vielleicht dem gerade miesen Regenwetter geschuldet. Da ist so eine erotische Ablenkung doch sehr willkommen … und hoffentlich inspirierend!
    Die Aussicht, dass deine Fans irgendwann einen Bestseller von dir zu lesen bekommen, klingt sehr verlockend! Und ich bin überzeugt, daß ein ganzer Roman mich genauso in seinen Bann ziehen wird wie die kurzen Essays im Blog: amüsant, erfrischend, politisch kritisch, informativ, zwinkend, ernst oder wütend – aber immer geistreich und außerordentlich wortgewandt – so anders, so leicht …

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  2. Anscheinend hast du nicht den gestrigen Beitrag gelesen. Hatte ich doch dort eindringlich (wohl nicht eindringlich genug) gewarnt, sich mit fremden Sprüchefedern zu schmücken.
    Liebe Sumatra, wenn ich nicht glauben würde, dass du lesbisch bist, würde ich glatt denken, du willst dich vom Autor flachlegen lassen. Dös daad dem guat gfoin, der nimmd ois, wos need bei drei affm Baum obi is. Passt scho, woaßt scho.
    Solche Lobeshymnen wie von dir bin ich nicht gewohnt und das mit dem Bestseller war ein Scherz. Die Bestseller, die mit Sex zu tun haben, sind dermaßen weit von dem entfernt, was ich schreibe, weiter gehts schon gar nicht mehr, ganz ehrlich nicht. Und dann rennen die Leute mit Handschellen aus den Sexshops raus und wundern sich daheim, wo denn das Scheißprickeln bleibt, was ihnen das Buch beschert hat.

    In meinem Bestseller wird hingegen eine Utopie beschrieben. Utopie stimmt nicht ganz, denn eigentlich wäre sie erreichbar und das mit vertretbarem Aufwand. Es muss sich nur einer bereiterklären, den Juri zu machen … irgendwo ist doch immer der Haken. Aber einen Trost habe ich. Falls das Buch kein Bestseller wird, dann lag es bestimmt daran, dass ich keinen Plan hatte.

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    1. Touché! Das Zitat kam angeflogen….
      Und ja, du entsprichst nicht wirklich meinem Beuteschema (obwohl du zweifelsfrei ein äußerst ansehnlicher Mann bist)
      Deine Eloquenz ist es- da steh ich voll drauf! Für einen kommunikativen Abend mit dir würde ich glatt meine Frau in Kurzurlaub schicken….

      Gefällt 2 Personen

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