Hart wie Granit

Wer denkt schon bei Nylonstrümpfen nicht an elegante Damenbeine sondern an DuPont? Oder beim Neoprenanzug nicht ans Tauchen? Wer denkt bei der Teflonpfanne auf dem Ceranfeld an Chemie von DuPont und an Keramik von Schott statt an ein opulentes Diner? Von Tempo® bis Tempomat®, von Weckglas® bis Walkman® von Tesafilm® bis Themoskanne®, manche Firmen verstehen es glänzend, ihre Marken zu generischen Begriffen werden zu lassen. Allen voran DuPont. Nylon, Neopren, Teflon, Kevlar – alles Handelsnamen und alles gleichzeitig auch der Name für das Produkt. Konkurrenten ärgert das mitunter schwarz. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Drehtag bei der Firma Knauf. Die stellen alles mögliche aus Gips her, nur keine Rigipsplatten. Rigips ist nämlich der größte Konkurrent von Knauf! Nun kann sich jeder vorstellen, was mir als altem Heimwerker passiert ist. Keine fünf Minuten hat es gedauert und ich sagte zu einer Gipskartonplatte (so heißen die Dinger eigentlich) das böse Wort. In die eingetretene Stille konnte man Gips rieseln hören. Und ich wusste nicht einmal, in welchen Fettnapf ich da hineingetreten war. Erde tu dich auf …

nackte Mann am Ufer des Angermanälven
Nicht nur Schwedenstahl ist hart

Dass der Markennamenschuss auch nach hinten losgehen kann, steht auf einem anderen Blatt. Teflon ist da ein Grenzkandidat. Das Zeug ist ein Karzinogen, also kreberregend, jedenfalls wenn man es abkratzt. Man kratzt also im doppelten Sinn ab, erst das Teflon von der Pfanne und dann noch mal an und für sich. Darunter litt nicht nur der Kunde (Stichwort abkratzen) sondern auch ein wenig der Name, ist im Volksmund heute die »beschichtete Pfanne« verbreiteter als die Teflonpfanne. Dahinter steckt natürlich der Kundenwunsch, einereits auf die Segnungen der beschichteten Pfanne nicht verzichten zu müssen und andererseits der (fatale) Glaube, wenn man nur nur das böse T-Wort vermeide, wird die abgekratze Beschichtung schon nicht so schlimm sein, denn es ist ja kein Teflon, sondern »nur« beschichtet. Har, har, dass das Polytetrafluorethylen in jedem Fall krebserregend ist, wird dabei gerne verdrängt.

Aber was erzähle ich, Teflon geht ja noch. Denken Sie nur mal an Heroin! Welch ein Abstieg – vom gefeierten Schmerz- und Hustenmedikament bis zur Gosse und zum Afghanistankrieg. Auch die Eternitplatte hat sich vom Asbestskandal der Siebzigerjahre noch nicht wieder vollständig erholt. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum Firmen es manchmal sogar regelrecht fürchten, dass ihr Firmen- oder Produktname generisch wird. Die Firma Google macht zur Zeit erhebliche Anstrengungen dagegen, dass man das Verb »googeln« verwendet, mit Unterlassungsklagen und allem Pipapo. Das ist natürlich verschwendete Zeit, denn im Duden und im Oxford English Dictionary steht es schon drin. Aber warum? Was hat Google dagegen? Ganz einfach, in manchen Ländern verliert die Firma dadurch ihren Markenstatus. Wie kam ich überhaupt auf das Thema? Ach ja, das liebe Dynamit! Der gute Herr Nobel (seines Zeichens ein alter Schwede) hat nämlich sowohl das Dynamit selbst als auch dessen Namen erfunden.

Als ich in Schweden war, wunderte es mich nicht, dass ausgerechnet ein Schwede das Dynamit erfand. Besteht doch Schweden, im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern zum überwiegenden Teil aus Granit. Granit (oder andere harte Steine) ist nicht nur furchtbar hart, sondern es hat auch noch die unangenehme Eigenschaft, immer im Weg zu sein, wenn man irgendwo schnell hin will, die Alpenbewohner können ein Lied davon singen. Lehm, Ton, Löß, Mutterboden? Alles Fehlanzeige. Die Erdschicht in Nordschweden ist homöopatisch dosiert und nur dazu da, die vielen Bäume festzuhalten und umgekehrt.

Wenn man sich dann mal ansieht, wie dünn sie ist, wundert man sich zwangsläufig, wie die Bäume es überhaupt schaffen, sich festzuhalten. Oft wachsen sie einfach gleich aus dem Fels heraus. Wollte man in früheren Zeiten in den Norden, war das egal, es ging bergauf und bergab oder man nahm lieber gleich das Langschiff. Seit es Züge und Autos gibt, hat aber das knapp Tausend Jahre lang angesagteste Verkehrsmittel etwas an Attraktivität eingebüßt. Die heutigen Nor(d)mannen nehmen lieber Auto oder Zug. Na, und wenn dabei ein Felsen im Weg ist: Kawumm. Man kann sagen, die Schweden sprengen sich kreuz und quer durch ihr Land. Dank Herrn Nobel auch wenn heute natürlich modernere und sicherere Sprengstoffe zum Einsatz kommen als Dynamit, aber wie wir zu Beginn des Textes erfahren haben, halten sich Namen von Produkten oft länger als das Produkt selbst. Jetzt setz ich mir erstmal einen Schuss Heroin®, von Bayer!


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