Manspreading

Stell dir folgende Situation vor: Du bist eine junge Frau, meinetwegen Journalistin oder Bloggerin, heute. Also logischerweise feministisch. Natürlich nicht so … hm … eindimensional wie weiland Alice Schwarzer. Nein, du bist ja von heute, taff, karriereorientiert, zielbewusst. Beruf und privat, das verschwimmt bei dir, denn du trägst natürlich deine Weltsicht in die Familie hinein und deine private Sicht auf die Welt ist ein ums andere Mal Aufhänger für deine (natürlich) politischen Texte. Und da hast du Druck, denn du musst liefern, vielleicht nicht jeden Tag, aber mindestens einmal die Woche. Steter Tropfen höhlt den Stein, das wissen du und deine Redaktion natürlich. Aber nach dem trölftausendsten Artikel über den Gender-Pay-Gap glaubt ihr, dass es vielleicht manchen Lesern auf den Sack gehen kann, bestimmte Themen wieder und wieder zu penetrieren. Außerdem kotzt euch eure eigene Lügerei sowieso schon an; na ja, fast; okay, ein bisschen vielleicht. Nein, eigentlich tut sie das nicht, denn ihr wähnt euch im Recht. Die jahrtausendlange Unterdrückung habt ihr zwar nicht mitbekommen, aber was solls. Ein solch scharfes Schwert legt man nicht unnötig aus der Hand.

nackter mann auf einer treppe
So geht Manspreading. Wenn schon, denn schon!

Also, was schreiben wir heute? Was ist denn rund um den Feminismus noch nicht dagewesen? Oder wenigstens nicht schon hundertmal? Du hast doch heute morgen in der U-Bahn gesessen, war da nichts? Doch, mir saß ein Mann gegenüber. Und? Kann man da nichts draus machen? Wie, machen? Hat er dich angemacht? Nein. Was hat er denn gemacht? Nichts, dagesessen halt. Na siehste! Geht doch, man muss nur wollen, er hat also dagesessen. Und, wo hast du hingesehen? Auf seine Zeitung. Nein, denk dir die Zeitung weg, wo hättest du dann hingesehen? Aus dem Fenster. Du begreifst nichts. Auf die Eier! Testikel. Hoden. Klöten. Auf den Sack. Das ist doch widerlich. Dagegen müsste es ein Gesetz geben! Was denn für ein Gesetz? Wo soll er denn mit seinen Eiern hin? Ist mir doch egal. Was er macht, ist widerlich. Wie wollen wir es nennen? Irgendwas Englisches, das ist immer cool und begreift eh kein Schwein.

Manspreading

Imagine the following situation: You’re a young woman, journalist or blogger for all I care, today. So, logically, feminist. Of course not so … not so … one-dimensional like Alice Schwarzer. No, you’re today’s woman. Tough, career-oriented, determined. Job and private life are blurred, because you carry your world view into your family and your private view of the world is a hook for your (of course) political texts. And there you have pressure, because you have to deliver, maybe not every day, but at least once a week. Constant dripping wears the stone, you and your editors know that of course. But after the trickling thousandth article about the gender pay gap, you think that some readers might get fed up with penetrating certain topics again and again. Besides, your own lying already pisses you off anyway; well, almost; okay, maybe a little bit. No, actually it doesn’t, because you think you’re right. You may not have noticed the millennia of oppression, but so what? You don’t put down such a sharp sword unnecessarily.

So, what are we writing today? What hasn’t been written about feminism before? Or at least not a hundred times? You were sitting in the subway this morning, wasn’t there something? Yes, a man was sitting opposite me. And? Can’t you do anything about it? What do you mean? Did he hit on you? No. What did he do then? Nothing, just sat there. You see? There you go, you just have to want to, so he was sitting there. So, where were you looking? At his paper. No, not the paper. Where would you have looked? Out the window. You understand nothing. On the balls! Testicles. Private Parts. Nuts. On the scrotum. This is disgusting. There should be a law against that! What kind of law? Where do you want him to go with his balls? What do I care? What he does is disgusting. What shall we call it? Something English, it’s always cool and no one understands it anyway.


5 Gedanken zu “Manspreading

  1. Also Mädels -nun mal ehrlich! So einem Exemplar würde man doch gern in der U-Bahn gegenüber sitzen 🤪und dann höchst wahrscheinlich die Station verpassen….

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  2. Hallo, ich bin Steffen.
    Es ist mir egal, ob da ein Mann oder Frau sitzen würde. Ich gucke, klar, auf seinen Sack und den Rest des Kerls. Ich gucke bei Frauen auch in den Schritt und auf ihre Titten. Ich find das auch ganz normal. Dabei muss man nichts Schlechtes empfinden. Ich stelle mir schöne Träume vor. Wie gross sind seine Eier (würde ich sie gern massieren), wie spritzt er ab. Wie würde sie bei einem Orgasmus zucken, die Oberschenkel flattern, ihre Brustwarzen wachsen.
    Es ist schön darüber nachzudenken. Ich könnte mit einem Lächeln die Bahn verlassen.
    Liebe Grüssels.

    Gefällt 1 Person

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