Tsunami

Spätestens seit Fukushima (mit der Betonung auf dem ku) ist der Tsunami in aller Munde. Es ist ein Wort aus dem Japanischen und bedeutet große Welle im Hafen, also dort, wo man sich hin flüchtet um der See und ihren Wellen zu entgehen. Und derjenige, der schon Stürme an der Küste erlebt hat, weiß, dass es auch an Hafenmauern große Wellen geben kann, ohne dass die gleich Tsunami genannt werden. Ein Tsunami ist also eine veritabel große Welle, riesengroß, gigantisch, unvergleichlich groß. Größer geht es nicht. Und doch findet man Journalisten, denen das nicht genügt.

Nackte Frau vor dem Geirangerfjord mit Fährschiff
Hier wäre ein Tsunami verheerend, aber wenigstens würde er ein paar Kreuzfahrtschiffe versenken, hätte also auch was Gutes

Nicht nur, dass sie uns für zu blöd halten und glauben, mit dem Ausdruck Tsunami-Welle, das Fremdwort Tsunami erklären zu müssen, nein sie sind sich auch nicht zu schade, große Tsunami-Welle zu schreiben. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Wissenschaftsjournalisten wollen sie sein. Sie können und mögen es sich nicht vorstellen, dass es Abertausende interessierter Laien gibt, die hundertmal besser Bescheid wissen als sie selbst. Passt nicht in ihr Weltbild und so kommen dann Schlagzeilen zustande wie Verheerende Tsunami-Welle trifft Japans Küste auf SPIEGEL online. Oder hier auf Wissen.de im Fließtext die große Tsunami-Welle. Es ist zum Heulen und zum Kotzen. Als ob es je kleine Tsunamis gab oder welche, die nicht verheerend waren. Und liebe »Journalisten«, ein Tsunami ist eine Welle, was also ist eine Tsunami-Welle? Was? Eine große Welle-Welle? Klingt wie ein Hit von Wolfgang Petry und hat auch ungefähr dessen Niveau.

Tsunami

At the latest Fukushima is the tsunami on everyone’s lips. It is a word from Japanese and means big wave in the harbour, i.e. where you take refuge to escape the sea and its waves. And the one who has already experienced storms on the coast knows that there can be big waves even on harbour walls without them being called tsunami. So a tsunami is a veritable big wave, huge, gigantic, incomparably big. It could not be bigger. And yet there are journalists who are not satisfied with this.

Not only that they think we are too stupid and believe to have to explain the foreign word tsunami with the expression tsunami wave, no they are also not too bad to write big tsunami wave. You have to let it melt in your mouth: They want to be science journalists. They cannot and do not like to imagine that there are thousands and thousands of interested laymen who know a hundred times better than they do. They don’t fit into their world view and so headlines like «Devastating Tsunami Wave hits Japan’s coast» on SPIEGEL online. Or here on Wissen.de in the continuous text «the big tsunami wave». It is enough to make you cry and vomit. As if there have ever been small tsunamis or some that were not devastating. And dear „journalists“, a tsunami is a wave, so what is a tsunami wave? A big wave-wave? Sounds like a hit by Wolfgang Petry (a bad german crooner) and has also about the same level.


6 Gedanken zu “Tsunami

  1. Hach, ich finde deine Aufreger über all die Journalisten die so viel dümmer sind als du (und auch die Verteidigung der deutschen Sprache), immer so putzig.

    Aber stimmt schon. Wenn die so weiter machen und alles so formulieren, dass sogar der letzte Volldepp es versteht … ich will mir gar nicht ausmalen, wo wir hinkämen, wenn Nachrichten – besonders in kommerziellen Massenmedien – für die Allgemeinheit gemacht würden und nicht für „interessierte Laien“ und alle darüber. Der Horror.

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    1. Ich würde ja gar nichts sagen, wenn die Journaille sich nicht ständig wie eine unverzichtbare Elite aufführen würde. Ein Tag Deutschlandfunk und man könnte meinen, ohne sie wäre selbst bei der Schöpfungsgeschichte (Am Anfang war das Wort) gemauschelt worden. Die Journalisten sehen sich so gerne als Avantgarde, gerade jetzt, wegen dem *innen und des Genderwahns glauben sie, dass sie alleine Verantwortlich sind, wenn die Welt nicht untergeht. Dabei sind sie ziemlich genau dafür verantwortlich, dass die Rechten so eine Performance hinlegen, wie sie es bis vor ein paar Wochen getan haben. Stimmt schon, ich habe für die Masse der Journalistinnen nicht viel übrig.

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  2. Erstens lese ich nicht annähernd so viel wie Tilmann und zweitens, überlese ich solche „Tsunami-Wellen“ oder sehe die gar nicht. Oftmals bemerkte ich diese Dinge erst, wenn Tilmann sie erwähnt. Und dann denke ich immer: Er hat Recht! Manchmal ärgere ich mich darüber, dass es mir selbst nicht auffällt, oder anscheinend nicht so wichtig ist, Oftmals ist es mir egal. Ich weiß, das sollte einem nicht egal sein, aber ich bin eben keine Wellenreiter(in). Aber es gibt ja glücklicherweise vereinzelt noch Tilmänner, die einen wieder wachrütteln. Denn, es ist tatsächlich nicht unwichtig. Danke schön!

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  3. Ja, so manche Anreisewelle ist für einige der letzten Idyll dieser Erde in ihrer Nachhaltigkeit noch viel grausamer als ein Tsunami.
    Was aber die Journaille angeht, könnte es doch sein, dass sie es tatsächlich für jeden so verständlich wie möglich schreiben. Immerhin muss man manch einem Jugendlichen heute Hashtag sagen, wenn man die Rautetaste meint. Und Hilfsmittel nennt man heutzutage Gadges. Und man hat nicht mehr den richtigen Dreh raus, sondern den amtlichen Skill. Die Journalisten möchten eventuell der überwiegenden RTL2 Welt nur …. ach, ich gebs auf. Du hast ja recht Tilmann.
    Deswegen betrachte ich lieber diese herrlich imposanten Hügel in all ihrer Pracht. Aber auch die Berge im Hintergrund sind einen Blick wert.

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