Aktfotografie (in Arbeit)

Der Akt ist die Königsdisziplin der Fotografie. Denn in das Bild eines nackten Menschen kann alles einfließen. Das atemberaubende Panorama eines Landschaftsfotografen ebenso, wie der Tumult auf einem Rockkonzert, die Intimität eines Studioporträts genauso, wie die Nüchternheit eines Businessambientes. Sie können Ihren Akt als Reportage-, vielleicht als Straßenfotografie inszenieren, oder ihm die Anmutung der Bilder einer Überwachungskamera geben. Sie können mit der Dynamik eines Sportjournalisten genauso experimentieren wie mit der Detailverliebheit eines Makrofotografen, sie können einen Akt opulent gestalten oder mit Kargheit auf Ihre Aussage fokussieren, arbeiten Sie mit der Eleganz eines Modefotografen oder mit der Lässigkeit der Lomografie, sie sind völlig frei. Sie sollten aber unbedingt die ganze Palette Ihres Könnens aufbringen, um hinterher zu sagen: Das ist ein echt geiles Foto!

Womit wir schon beim Thema sind, was will die Aktfotografie eigentlich? Sonnenklar, wenn es ein geiles Bild ist, oder? Sie soll erregen. O pardon, jeder weiß es, keiner sagt es, aber der Akt, wenn er denn beim Betrachter den richtigen Nerv trifft, ist erregend. Wobei ein und dasselbe Bild, je nachdem wer es ansieht, langweilen, anregen, erregen oder auch provozieren kann. Aber das ist nicht Ihr Problem. Sie sind nur verantwortlich für das, was Sie tun, nicht für das, was andere darin sehen.

Die Einteilung nach Kunst oder Pornografie ist recht willkürlich und wird meist von den selbsternannten Experten an der Ästhetik festgemacht. Kompletter Blödsinn, wenn Sie mich fragen. Die Ästhetik eines David Hamilton ist heute Kinderpornografie, die pornografischen Aufnahmen von Helmut Newton und Herb Ritts sind arrivierte Kunst und Seifenwerbung aus den Siebzigern dürften Sie derzeit nicht einmal bei Facebook posten. Alles ändert sich ständig und immerzu. Nur eins dürfte auch sonnenklar sein, die Ästhetik der künstlichen Überhöhung von Perfektion und Makellosigkeit, gerne als Pornart bezeichnet, wird wohl das bleiben, was sie ist. Vollendete, seelenlose handwerkliche Perfektion. Hier reicht es meist weder zu Kunst noch zu Pornografie.

Die standardisierte Anleitung zur Aktfotografie will Ihnen einreden, weniger sei mehr, man müsse nicht immer alles zeigen, um Begierde zu wecken (wenn sie überhaupt soweit geht, das Wort Begierde in den Mund zu nehmen) und dergleichen mehr. Nun, das will ich nicht. Ich überlasse es Ihrem persönlichen Geschmack, was sie gut finden und will Ihnen nicht die üblichen Verdächtigen als Regeln aufbürden. Sie werden später sehen, wozu es führt, wenn sich immer alle an die Regeln halten. Heraus kommt dann ein gesellschaftlicher Konsens, auch Einheitsbrei genannt. Wollen Sie den, lesen Sie nicht weiter, ehrlich, herausgeschmissene Zeit für Sie.

Die Aktfotografie ist übrigens kein Spiegel ihrer Zeit, ist sie niemals gewesen. Wäre dem so, bestünde unsere Welt heute aus Makellosigkeit, Silikontitten, Pornokrallen, Waschbrettbäuchen, maskenhaft geschminkten Gesichtern und glattrasierten Ärschen. Die Aktfotografie ist höchstens ein Ausschnitt einer Gruppe von Leuten, die glauben, Sie wären die Avantgarde, was sie selbstredend nicht sind. Aber das ist der Grund, warum zwischen dem, was man gemeinhin als Aktfotos ansieht und den nackten Urlaubsbildern von Leuten wie dir und mir so eine große Lücke klafft. Helfen Sie mit, diese Lücke zu schließen; mit natürlichen Aktfotos von normalen Menschen, die sich in ihrer Kunst nicht vor dem zu verstecken brauchen, was eben jene Avantgarde produziert.