Blut, Schweiß …

… und Tränen.

Oder Geld. Mit viel Geld können Sie ein Studio mieten oder kaufen, sind ungestört, müssen sich weder großartig bewegen und sich auch nicht dem Unbill der Wettergötter aussetzen. Ihr Modell fühlt sich einigermaßen sicher, ist vor Überraschungen gefeit und muss wahrscheinlich nicht frieren. Inkaufnehmen müssen Sie lediglich, dass Sie die meisten Aufnahmen im Studio gar nicht machen können, sie sehr eingeschränkt sind und die Güte und Qualität Ihrer Bilder im Wesentlichen von der Attraktivität und Makellosigkeit Ihres Modells abhängt.

Wenn Sie allerdings als mäßig begabter und ausgestatteter Amateur aufsehenerregende Bilder schaffen wollen, kommen Sie um Churchills Zitat:
»I have nothing to offer but blood, toil, tears, and sweat.« nicht herum. Sie müssen dorthin gehen, wo es wehtut und je schlimmer die Pein, desto größer die Wahrscheinlichkeit, etwas einzigartiges zu erreichen. Der Umkehrschluss allerdings dass die Bilder umso besser sein müssen, je größere Mühsal Sie von sich und dem Modell abverlangt haben, der funktioniert nicht. Sie können auch an den tollsten Lokationen versagen. Sie sehen also, zur Mühsal und Qual kommt auch noch die Ungewissheit hinzu. Denn sind wir mal ehrlich, es wäre wünschenswert, wenn man sich einen tollen Platz zum Fotografieren vorab schon mal ansehen kann, aber wer nicht gerade seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, dem ist es nicht vergönnt, einen eigenen Locationscout zu haben oder sein eigener zu sein. Hier müssen Sie und Ihr Modell das Risiko wagen.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass Sie sich Ihrer Sache sicher sind, Sie sollten schon wissen, ob Sie es draufhaben, oder nicht. Kaum etwas ist schlimmer, als viel investiert zu haben um hinterher zu merken, dass alles vergebens war, weil man persönlich versagt hat. Das heißt, vor aufwendigen und mühsamen Shootings müssen Sie trainieren: vom Stellen, Auslösen bis zur Nachbearbeitung muss jeder Schritt sitzen. Unwägbarkeiten kommen schon noch genügend auf einen zu, sodass man sich wenigstens mit den berechenbaren Herausforderungen auskennen und sie blind beherrschen sollte.

 

Ist doch keine Kunst

Das stimmt, per se ist die Fotografie ein Mittel zur Dokumentation und auch wenn es jemand beherrscht, deswegen noch lange keine Kunst. Die Fotografie im allgemeinen hat das Problem, dass jeder Depp ein paar hundert Euro ausgeben und auf den Auslöser drücken kann. Mit Talent und Kreativität hat das bis hierher noch nichts zu tun, es ist ein Zeitvertreib. Wenn jemand musiziert oder malt, fällt es auch dem Laien leicht, die Begabten von den Dilettanten zu unterscheiden, die einen können es, die anderen nicht. Das ist unmittelbar am Ergebnis abzulesen. Die Falle bei der Fotografie ist die, dass es dort nicht ganz so leicht fällt. Man bekommt mit verhältnismäßig wenig Übung recht schnell Ergebnisse zu Papier oder auf den Bildschirm. Mitunter oder mit Zufall manchmal sogar ansehnliche Ergebnisse. Dieser überraschend erzielte Anfangserfolg wird dann oft für Begabung gehalten und beflügelt den Fotografen, bestätigt ihn in dem Glauben, schöpferisch und begabt zu sein. Das mag sogar bisweilen stimmen, nur werden dann die falschen Schlüsse gezogen. Weil nämlich diese One-Hit-Wonder oft genug nicht als das gesehen werden, was sie sind, sondern als Initialzündung für eine Karriere als begabter Amateur oder angehender Profi. Damit es soweit kommt, fehlt aber noch ein ganz entscheidender Teil. Was jetzt geschehen müsste, wird von den Laien gerne übersehen oder abgewertet: Training, Arbeit, Fleiß und Herzblut. Ohne diese zu investieren wird das weder etwas mit der großen, noch mit der kleinen Karriere.

Auch wenn einem heute der Sensor, die Chips und die Software alle Arbeit abnehmen können (das behaupten jedenfalls die Hersteller), wird man feststellen, dass auch die ausgefeiltesten Algorithmen an ihre Grenzen stoßen. Sie werden zwar besser, wenn es darum geht, ungewöhnliche Aufnahmesituationen zu analysieren, aber natürlich wissen sie dann immer noch nicht, was der Fotograf will. Welches Bild hat er im Kopf, welche Kombination von Blende, Empfindlichkeit und Verschlusszeit zu dem Ergebnis führen werden, das der Fotograf jetzt im Moment möchte. Unter Umständen muss man sich sogar gegen die vermeintlich intelligente Software wehren, die vielleicht auf 80% der Fälle passen würde. Sucht man hingegen das außergewöhnliche, wird man immer öfter merken, dass man blöderweise zur 20%-Fraktion gehört. Dann ist man gut beraten zu wissen was man tut. Und man wird merken, dass es oftmals schneller ist, wenn man von vorneherein macht, was man möchte, ohne erst abzuwarten, was einem die Software vorschlägt, um dann wiederum gegenzusteuern. Jedenfalls kommt man nicht darum herum, zu lernen, wie unterschiedliche Blendenöffnungen, Verschlusszeiten und Empfindlichkeiten das fertige Bild beeinflussen.

Als ob das noch nicht schlimm genug wäre! Nein, wenn man alles gelernt und verstanden hat, hat man nichts weiter als den Gebrauch eines Werkzeugs gelernt. Doch nur weil jemand weiß, wie er Hammer und Meißel benutzen muss, kann er noch lange keinen Michelangelo aus einem Marmorblock hämmern. Und noch weniger kann er den tollen Features vertrauen, die der Hersteller dem Hammer und Meißel verpasst. Es gibt genau drei Parameter, die Sie steuern müssen, um die Lichtmenge, die auf den Chip fällt, zu beeinflussen. Selbst die hypersensiblen, ultraschnellen und pseudo-intelligenten Systeme in modernen Kameras können nicht mehr, egal was im Hochglanzprospekt versprochen wird. Von Innovation bis hierhin noch keine Spur. Vergessen Sie das, was Ihnen die Hersteller versprechen, besonders, wenn es darum geht, Ihre Kreativität zu entfesseln, oder Sie sich um nichts anderes als Ihr Motiv kümmern müssen. Das dient nur dazu, Ihnen überteuerten Schrott anzudrehen, den Sie keinesfalls brauchen, um erstaunliche Bilder zu machen. Die Kamera steht am Ende der der Kette der Dinge, die Sie beherrschen müssen – beherrschen müssen Sie sie natürlich trotzdem.

Das erste Handwerkszeug, das der Fotograf beherrschen muss, ist das Licht. Klingt wie eine Binsenweisheit und ist einer der Faktoren, die gerne ignoriert oder auf die leichte Schulter genommen werden. Nur kommt man um eine hundertfache Analyse guter Fotos nicht herum, will man lernen, warum wirklich gute Bilder einen Zauber ausstrahlen und andere nicht. Einen Zauber der sich nicht kompensieren lässt und sei das Modell noch so schön, jung, schlank und makellos. Sie sollten nie vergessen, dass Licht ihr Hauptwerkzeug ist, Licht und alles, was mit dem Licht in Berührung kommt, in absteigender Reihenfolge. Das vorhandene, oder das Licht, was sie setzen; das Modell und die Szenerie, die von dem Licht beleuchtet werden; das Licht, was vom Modell durch ihr Objektiv und schlussendlich auf Ihren Sensor fällt. Daraus ergibt sich auch die Wichtigkeit der einzelnen Komponenten, mit dem Licht an erster und dem Modell und Hintergrund an zweiter Stelle. Danach erst kommen das Objektiv und die Kamera.

Das zweite Handwerkszeug des Aktfotografen ist seine soziale Kompetenz. Angefangen beim Akquirieren von Modellen, über das Handling beim Fotografieren, bis hin zum Verhalten nach der Postproduktion kann man mehr falsch als richtig machen und wenn es eine Gelegenheit gibt, die es rechtfertigt, den Frauenversteher raushängen zu lassen, dann ist es die, wenn es um Aktmodelle und den Umgang mit ihnen angeht. Wer glaubt, ich würde übertreiben, der sollte einfach mal den Selbstversuch machen und sich ausziehen. Um sich fotografieren zu lassen. Nicht nur mal eben einen Schnappschuss, sondern richtig. Es macht einen im besten Fall ein wenig demütig, mindestens jedoch verständnisvoller, falls das Modell gerade nicht in der Lage oder willens ist, das zu tun, was der Fotograf gerne möchte.